Verlaufsform und Krankheitsaktivität

Um eine Therapieentscheidung fällen zu können, ist es wichtig, die jeweilige Verlaufsform und Krankheitsaktivität zu kennen.

Es ist jedoch keineswegs immer möglich, die Verlaufsform genau zu bestimmen. Auch wissenschaftlich ist nicht gesichert, dass es sich bei den unterschiedlichen Verlaufsformen um verschiedene Erkrankungsprozesse handelt. Insofern ist diese Unterteilung nur als Hilfsmittel zu verstehen. Auch die Krankheitsaktivität der MS ist schwer zu bestimmen.

Gerade in neueren Studien wurden vor allem Patienten mit sehr aktiven Verläufen behandelt, und auch nur für solche Patienten gelten demzufolge die Schlussfolgerungen der Studien. Zum Teil sind aber mit diesen Informationen auch Rückschlüsse auf andere Verlaufsformen möglich. Da in den Studien oft nur Patienten mit bestimmten Verläufen und Krankheitsaktivitäten untersucht wurden, ist meist auch nur für diese Gruppen eine Aussage zur Wirksamkeit möglich.

Verlaufsformen

Generell lassen sich vier verschiedene Verlaufsformen unterscheiden:

Krankheitsaktivität

Um die Krankheitsaktivität abschätzen zu können, gibt es gegenwärtig zwei Möglichkeiten:

Erstens, die Bestimmung der Beschwerden innerhalb eines bestimmten Zeitraums, d.h. innerhalb der letzten 1-2 Jahre. Hierbei spielen die Anzahl der Schübe bzw. die Zunahme der Beeinträchtigung eine wichtige Rolle.

Eine zweite Methode zur Einschätzung der Krankheitsaktivität ist die Aktivitätsbeurteilung mit dem Kernspinbild. Das Kernspinbild zeigt in der Regel eine deutlich höhere Krankheitsaktivität als sie von Patienten oder dem Arzt wahrgenommen wird. Stellt man sich die Multiple Sklerose als Eisberg vor, so zeigt das Kernspin sozusagen, was unter Wasser passiert.

Deshalb wird dieser Befund bei Therapiestudien zur Beurteilung der Krankheitsaktivität hinzugezogen. Eine deutliche Zunahme von "weißen Flecken" (sogenannte T2-Läsionen) innerhalb der letzten ein bis zwei Jahre und gehäuft nachweisbare Kontrastmittelspeicherungen gelten dabei als Ausdruck einer entzündlichen Aktivität.

Eine Zunahme von Entzündungsherden ist aber bislang nur in der Anfangsphase der MS ein Hinweis auf einen baldigen weiteren Schub. Aus der Zunahme lässt sich keinesfalls eine sichere Zunahme der Beeinträchtigung schlussfolgern.