Glossar
A
Aktivierungsmarker:
Bestimmte Eiweißsubstanzen, die sich zum Beispiel auf der Oberfläche von Zellen oder im Blut finden und anzeigen, dass eine erhöhte entzündliche Aktivität vorliegt.
Alternativtherapie:
(auch Komplementärtherapie): Therapiekonzepte, die nicht mit der klassischen Schulmedizin gelehrt werden und teilweise auf Heilungskonzepten anderer Kulturen beruhen. Damit sind sie "komplementär" = ergänzend zu den Standardtherapien.
Aminosäuren:
Moleküle aus denen Einweiße (sogenannte Proteine) zusammengesetzt sind.
Antikörper:
Vom Körper gebildete Eiweißkörper, die sich speziell an Fremdsubstanzen, z.B. Viren lagern und helfen, diese zu inaktivieren. Darüber hinaus beeinflussen sie aber auch Zellfunktionen.
Antioxidantien:
Substanzen, die die Reaktion von Molekülen mit Sauerstoff und damit die Bildung schädlicher weiterer Produkte verhindern.
Aufgelagerte Schübe:
Schübe, die zusätzlich auftreten bei einem ansonsten chronischen Verlauf.
Ausschleichen:
Reduzierung der Kortisondosis (über meist 14 Tage) nach einer hochdosierten Kortisontherapie.
B
Blut-Hirn-Schranke:
Der Übergang vom Blut ins Gehirn ist durch bestimmte Zellen und Verbindungen abgedichtet. Diesen nennt man Blut-Hirn- Schranke.
Blutzellen:
sind Leukozyten (weiße Blutzellen) und Erythrozyten (rote Bluzellen).
C
Cochrane Kollaboration:
Die Cochrane Kollaboration ist ein Zusammenschluss von Medizinern und Wissenschaftlern, die versuchen, Diagnose- und Therapiekonzepte gemäß den Kriterien der evidenzbasierten Medizin zu bewerten, d.h. nach der Qualität der wissenschaftlichen Belege für eine bestimmte Behandlung.
Cochrane Review:
Systematische Übersichtsarbeit über eine bestimmte Therapie meist als Metaanalyse (siehe Kap. 3).
Chemotherapeutikum:
Substanz, die gegen aggressive Zellen, meist Krebszellen eingesetzt wird und damit auch alle anderen Zellen des Körpers, die sich teilen und aktiv sind beeinfluss.
D
Degenerativ (in Bezug auf MS):
Nervengewebe wird auch ohne Entzündungsreaktion zerstört
Doppelblind:
Patient und Arzt wissen nicht, wer die wirksame Substanz in einer Studie erhält
DNS:
Desoxyribonucleinsäure. Auf dieser ist unsere Erbsubstanz gespeichert.
E
EDSS:
Expanded Disability Status Scale, erweiterte Beeinträchtigungsskala, die Einordnung erfolgt durch eine neurologische Untersuchung
Einschlusskriterien:
Bestimmte Eigenschaften, die ein Patient haben muß, um an einer Studie teilzunehmen.
Entzündungszellen:
Zellen des Blutes, die Entzündungsreaktionen auslösen und damit vor allem fremde Substanzen (Bakterien, Viren) abwehren sollen. Dies sind vor allem die weißen Blutzellen.
Erstmanifestation:
Erste Symptome einer Multiplen Sklerose bei schubförmiger MS, also der erste Schub.
Eskalationstherapiekonzept:
Grundgedanke der Therapieempfehlungen der MSTKG. Beginn der Therapie mit einem nebenwirkungsarmen, mäßig wirksamen Medikament (z.B. Interferone). Wechsel je nach Aktivität der Erkrankung auf eine stärkere Substanz, wenn die Krankheit sich nicht abbremsen lässt. (z.B. Mitoxantron).
Evidenz (-grad):
Wissenschaftliche Sicherheit eines Ergebnisses. Das heißt aber nicht unbedingt auch hohe Wirksamkeit. Es kann z.B. eine sehr gute Evidenz für die Wirkungslosigkeit einer Substanz geben.
EvidenzbasierteMedizin (EBM):
Methodik mit der eine objektive und nachvollziehbare Bewertung medizinischer Studien erfolgt.
F
G
H
Haupt-Endpunkt/Haupt-Zielpunkt:
Der Beurteilungsmaßstab in einer Studie für die Wirksamkeit einer Therapie, z.B. das Auftreten von Schüben
Heilversuch:
Behandlungsversuch im Einzelfall mit einem Medikament ohne erwiesene Wirksamkeit für die vorliegende Erkrankung. Rechtlich möglich, aber zunehmend von Krankenkassen unterbunden.
I
IgA:
IgA ist Immunglobulin A, ein bestimmter Antikörper des Menschen, der vor allem im Speichel vorkommt.
Immunmodulation:
Feinregulation des Abwehrsystems.
Immunprophylaktische Therapie:
eine vorbeugende (prophylaktische) Therapie, die das Immunsystem beeinflusst.
Immunsuppression:
Hemmung des Abwehrsystems.
Injektionshilfe:
Hilfsmittel (meist ein sogenannter "Pen", in den eine Spritze gesteckt wird), um sich selbst Injektionen (Spritzen) zu geben.
Intramuskulär:
= i.m.: auf deutsch: in den Muskel, meist bezogen auf die Gabe von Spritzen.
J
K
Kardiomyopathie:
Erkrankung und Schwächung des Herzmuskels.
Kernspintomogramm (Kernspin) oder Magnetresonanztomogramm:
Beim Kernspintomogramm werden durch ein starkes Magnetfeld alle Moleküle im Körper ausgerichtet. Gemessen wird dann nach Ausschaltung des Magnetfeldes, wie die Moleküle in ihren Grundzustand zurückschwingen. Dieser Prozess kann auf unterschiedliche Arten analysiert werden. Meist werden sogenannte T1- und T2-gewichteten Aufnahmen gemacht. In T1 lassen sich besser bleibende Schäden, als sogenannte schwarze Löcher erkennen. Die Entzündungsherde erscheinen hier schwarz. In T2 können die meisten Entzündungsstellen gesehen werden, wobei hier nicht festgestellt werden kann, ob eine bleibende Schädigung auftritt.
Kontrastmittel:
(Gadolineum) wird in den Läsionen nur bei akuter Entzündung gespeichert.
Klinisch relevant:
Studien können statistisch sichere Ergebnissse bringen, ohne klinisch relevant (bedeutsam) zu sein. Wenn man z.B. zeigen kann, dass ein MS-Medikament dazu führt, dass Patienten 3 m weiter gehen können, dann ist das klinisch nicht relevant.
Knochenmarkshemmung:
Hemmung der Bildung von neuen Blutzellen im Knochenmark.
Komplementärtherapie:
siehe Alternativtherapie.
Kontraindikationen:
Gründe, weshalb ein bestimmtes Medikamente nicht gegeben werden darf.
Kontrastmittelspeicherung/kontrastmittelanreichernde:
Kontrastmittel sammelt sich in frisch entzündlichen Herden des Gehirns, bedingt durch eine Störung der Blut-Hirn-Schranke. Damit können diese im Kernspin sichtbar gemacht werden.
Kontrollgruppe:
Gruppe von Personen, die eine bestimmte Therapie nicht erhält.
Kontrollierte Studie:
Studie, die nach einem strukturierten Protokoll vorgeht (siehe S.16)
Körperoberfläche:
Dosierungen einiger Medikamente (z.B. Mitoxantron) werden nicht nach dem Gewicht von Patienten, sondern aus der Körperoberfläche berechnet. Diese errechnet sich aus Körpergrösse und Gewicht und liegt meist knapp unter 2 Quadratmetern (m2).
L
Langzeitstudie/Langzeitnebenwirkungen:
Studie, die über längere Zeit Wirkungen und Nebenwirkungen versucht zu erfassen. Bei MS kann man erst ab 5 Jahren von Langzeitstudien reden.
Leberfunktionstest, Leberwerte:
sind die Eiweißstoffe (Enzyme) GOT (neue Bezeichnung: AST), GPT (neue Bezeichnung: ALT), Gamma-GT und AP. Sie haben vor allem eine wichtige Funktion in Abbauprozessen von Substanzen, die der Körper nicht mehr braucht oder die den Körper schädigen. Ein Anstieg derselben im Blut spricht für eine Leberschädigung, da sie aus kaputten Leberzellen freigesetzt werden.
Leukopenie:
Verminderung der weißen Blutzellen.
Leukozyten:
alle weißen Blutzellen = Lymphozyten, Granulozyten und Monozyten.
Lymphozyten (B, T):
Lymphozyten sind eine Untergruppe der weißen Blutzellen. Die T-Lymphozyten greifen bei der MS über Botensubstanzen direkt Nervenzellen an und sind die wichtigsten Vermittler der Krankheit. Aber auch B-Lymphozyten, die Antikörper produzieren, haben bei MS eine Bedeutung.
Lymphopenie:
Verminderung der Lymphozyten unterhalb der Normgrenze.
M
Metaanalyse:
Systematische Übersichtsarbeit
Magnetresonanztomogramm (MRT):
siehe Kernspintomogramm
McDonald-Kriterien:
2001 eingeführte Diagnosekriterien, die vorwiegend auf dem Kernspinbefund beruhen und eine Diagnosestellung schon nach dem 1. Schub ermöglichen.
Mittelwert:
Errechnet sich aus der Summe aller Einzelwerte geteilt durch die Gesamtzahl an Werten
MSFC:
Multiple Sclerosis Functional Composite, Testbatterie, mit der objektiv die Beeinträchtigung von Gehen, Handfunktion und Gedächtnis untersucht werden können
MSTKG:
Multiple Sklerose Therapie Konsensus Gruppe. Gruppe von MS-Experten im deutschsprachigen Raum, die sich auf bestimmte Therapieempfehlungen für die Behandlungspraxis zu einigen versuchen.
Myelin:
Die Isolationsschicht der Nerven besteht vor allem aus Myelin. Gegen dieses Myelin richten sich bei der MS die autoaggressiven (= selbstzerstörerischen) Zellen.
N
Nebenwirkungen (Häufigkeiten):
Nach internationaler Konvention werden mit "sehr häufig" die Nebenwirkungen beschrieben, die bei mehr als 10% der Patienten auftreten. "Häufig" sind diejenigen, die bei 1-10% und "gelegentlich" die, die bei 0,1-1% auftreten. "Selten" meint die Nebenwirkungen, die sich bei 0,01- 0,1% der Patienten zeigen und "sehr seltene" Nebenwirkungen treten nur in weniger als 0,01% Fällen (also bei weniger als 1 von 10.000 Patienten) auf.
Negativdaten:
Daten, di e gegen die Wirksamkeit eines Medikaments sprechen.
Nekrose:
Untergang von Gewebe.
Nervenwasser:
Klare Flüssigkeit, die das Gehirn und Rückenmark umspült und von speziellen Zellen im Gehirn selbst produziert wird.
O
P
PASAT:
= Paced-Serial-Addition-Task, ein neuropsychologischer Test, bei dem Zahlen addiert werden müssen und der damit Gedächtnis und Informationsverarbeitungsgeschwindigkeit misst.
Pilotstudie:
Pilotstudie eine Vorstudie oder auch Phase-1/2-Studie mit der erste Daten zur Verträglichkeit und Wirksamkeit eines Medikamentes erhoben werden.
Plasmaferese:
alle nicht-zellulären Bestandteile des Blutes werden herausgefiltert und durch eine Eiweißlösung ersetzt, um entzündungsvermittelnde Substanzen zu entfernen.
Plazebo:
Scheinmedikament ohne Wirkstoffe.
Poser-Kriterien:
Alte MS-Diagnosekriterien, die vor allem darauf beruhen, dass 2 Schübe aufgetreten sein müssen, damit die Diagnose "Multiple Sklerose" sicher gestellt werden kann (siehe S.30).
Progression:
Zunahme der Beeinträchtigung.
prospektive Studie:
Erst wird eine Studie geplant worauf nach einem Plan Daten erhoben erhoben werden, im Gegensatz zur retrospektiven Studie, wo alte Daten neu ausgewertet werden.
P-Wert:
abgeleitet von Probability = Wahrscheinlichkeit. Der P-Wert gibt die Signifikanz an. Damit wird die statistische Sicherheit ausgedrückt mit der ein Ergebnis nicht als zufällig betrachtet wird.
Randomisiert:
zufallsverteilt
Q
R
S
Schubrate:
Anzahl von Schüben über eine bestimmte Zeit, meist pro Jahr oder pro 2 Jahre.
Sicherheitsstudie:
Entspricht einer Phase-1 oder Phase-2-Studie (siehe S.16). Hier geht es vor allem darum, die Verträglichkeit eines Medikamentes zu prüfen.
Signifikanz/signifikantes Ergebnis:
statistische Auswertungen der Studienergebnisse haben ergeben, dass diese mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht auf Zufall beruhen.
Spastik:
Muskelsteife, bedingt durch Schädigung von Nervenfasern im Zentralnervensystem.
SPIRS:
(Systemisches Post-Injektions-Reaktions-Syndrom) allergische Reaktion unter Copaxone
Subgruppenanalyse:
Auswertung von Untergruppen von Patienten einer Studie
Subkutan:
auf deutsch: "unter der Haut", meist bezogen auf die Gabe von Spritzen.
T
Thrombozyten:
heißen die sogenannten Blutplättchen, die für die Blutgerinnung wichtig sind. Eine Verminderung kann zu Blutungen führen, eine Vermehrung zu Gefäßverstopfungen.
transitionaleMS:
Verlaufsform der MS bei der ein hauptsächlich chronischer Verlauf von Beginn an vorliegt. Darüber hinaus können zu Beginn oder im weiteren Verlauf Schübe auftreten.
T1-Läsionen:
Entzündungsherde in sogenannten T1- gewichteten Kernspinbildern.
T2-Läsionen:
Entzündungsherde in sogenannten T2- gewichteten Kernspinbildern, siehe auch Kernspin.
T-Zell-Rezeptor:
Der T-Zell-Rezeptor stellt die entscheidende Andockstelle dar, über die ein T-Lymphozyt aktiviert wird.
U
- Uhthoff-Phänomen:
vorübergehende Verschlechterung neurologischer Symptome oder der allgemeinen Leistungsfähigkeit bei Patienten mit Multipler Sklerose ausgelöst durch höhere Umgebungs- oder Körpertemperatur (z. B. warmes Wetter, heiße Bäder, Fieber, körperliche Anstrengung oder in der Sauna). Die Symptome bilden sich jedoch nach einer Absenkung der Temperatur immer wieder zurück, wird auch als Pseudoschub bezeichnet.
- Urodynamik:
(Blasendruckmessung), Urodynamische Untersuchung - eine Messung, um mit Hilfe von Drucksonden und Elektroden die Funktionsstörungen bei der Blasenfüllung und -entleerung zu ermitteln
V
Verblindung:
Strategie um sicher zu stellen, dass Patienten und Ärzte nicht wissen, wer das wirksame Medikamente bekommt und wer das Scheinmedikament
Verumgruppe:
Patientengruppen, die die "wahre" (verum = wahr) Substanz bekommt.
W
X
Y
Z
Zulassungsstudie:
Studie, die angelegt ist, um eine Zulassung für ein Medikament von den Gesundheitsbehörden zu bekommen. Mit der Zulassung wird das Medikament auch erstattungspflichtig für die Krankenkasse.
Programmierung und Umsetzung: www.edv-service-tb.de