Keine Studie hat bislang eine klare Evidenz für eine der sogenannten Alternativtherapien gezeigt. Es gibt einigen Anhalt für einen Effekt der Linolensäuregabe, weshalb diese auch bei den Therapiemöglichkeiten der einzelnen Verlaufsformen Erwähnung findet.

 

13. Alternative oder komplementäre Therapien

Zahlreiche Untersuchungen haben gezeigt, dass eine große Diskrepanz zwischen der Anwendung von sogenannten Alternativtherapien und ihrer wissenschaftlichen Fundierung besteht. Im Folgenden sollen kurz die Ansätze, für die zumindest einige Daten vorliegen, referiert werden.

Vitamin C, Vitamin A, Selen

Als sogenannte Antioxidantien könnten diese Substanzen einen Effekt bei MS haben. Klinische Studien liegen derzeit jedoch nicht vor, nur einige Hinweise aus Tierversuchen.

Vitamin D

Vitamin D wirkt möglicherweise immunmodulierend (Glossar). In Tierversuchen gibt es Hinweise für einen Nutzen bei einer MS ähnlichen Erkrankung. Klinische Studien stehen aus. Eine neue Untersuchung bei 200.000 Krankenschwestern in den USA zeigt, dass die Einnahme von Vitamin-D möglicherweise vor der Entwicklung einer MS schützt.116 Ob auch eine therapeutische Wirksamkeit besteht,muss offen bleiben.

Enzymtherapie

Siehe S. 56

Sauerstoffüberdrucktherapie

Sauerstoffüberdrucktherapie ist in verschiedenen Studien untersucht worden. Eine Metaanalyse117 hat die Ergebnisse zusammengefasst. Ein langfristiger Nutzen kann hier nicht nachgewiesen werden. Im Gegenteil zeigt die größte kontrollierte Studie118 sogar einen eher negativen Einfluss auf die Leitungsfähigkeit des Sehnervs.

Feldenkraistherapie und Massage

Diese (physiotherapeutischen) Methoden wirken sich positiv auf depressive Verstimmung, Ängstlichkeit und vermindertes Selbstwertgefühl aus.119 Hinweise für eine positive Beeinflussung des Erkrankungsverlaufs liegen derzeit nicht vor.

Magnetfeldtherapie, Fußreflexzonen und Neuraltherapie

Diese Methoden scheinen Symptome wie Spastik und Blasenstörungen kurzzeitig positiv zu beeinflussen.119 Hinweise für eine Beeinflussung des Erkrankungsverlaufs gibt es nicht.

Cannabis

Nachdem einige kleine Untersuchungen widersprüchliche Ergebnisse erbracht hatten, zeigte eine Doppelblindstudie (Glossar) mit insgesamt 667 Patienten, dass Cannabis die subjektive Beeinträchtigung durch Spastik und Schmerzen mindert. In objektiven Messungen der Spastik konnte jedoch keine Verbesserung belegt werden.120 Hinweise für eine Beeinflussung des Erkrankungsverlaufs gibt es nicht. Es bleibt, weitere Ergebnisse aus kontrollierten Studien abzuwarten.

Yoga

Eine neue Studie zeigte bei 57 Patienten mit einer Yoga-Therapie über 6 Monate eine Besserung von MS-bedingter Müdigkeit, aber keine Veränderung in anderen Bereichen der Lebensqualität, der Stimmung oder geistiger Funktionen.121

 

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